Sonntag, 19. Oktober 2008

Mutterkuchen

Zum Geburtstag gibt es Kuchen. Der allererste ist der Mutterkuchen. Nur dass ihn viele Menschen nicht essen. Einige Familien vergraben ihn an besonderen Orten, im Garten, vor der Haustür oder neben einen alten Baum. Die Plazenta einem Krankenhaus bzw. der Hebamme zu überlassen, heißt, dass dieses Organ - das erste, was vom Kind ausgebildet wird - als gesonderter Müll verbrannt wird zusammen mit anderem ebenso bezeichnetem Müll.


Das Vergraben der Plazenta unter einen frisch gepflanzten Baum ist, glaube ich, nichts Ungewöhnliches mehr.


Diese Esskastanie hat einen Mutterkuchen bekommen und ein Kind einen Baum.

Wirklich ungewöhnlich scheint es hierzulande zu sein, den Mutterkuchen zu verspeisen. Zugegeben, ich mochte die Plazenta angucken und anfassen und einbuddeln, aber essen wollte ich sie lieber nicht. Vielleicht aber, vielleicht, dachte ich, vielleicht machen ein paar Rezepte Appetit. Folgendes habe ich im Netz in Elternforen gefunden:

Es wird empfohlen, dass die frisch entbundene Mutter kleine Stücke vom Mutterkuchen direkt nach der Geburt zu sich nimmt. Oder aber, dass sie Plazentafleisch püriert, gemixt mit Joghurt isst.
Eine andere Empfehlung lautet, die Plazenta acht Stunden bei 100° zu trocknen. Danach lässt sich der Kuchen reiben. Von der getrockneten, geriebenen Plazenta mischt frau sich jeden Tag einen Teelöffel unter den Joghurt. Ebenso ließe sich die geriebene Plazenta unter Getränke mixen.

Drei Plazentagerichte, die gängigen Kochrezepten gleichen, habe ich auf biorezepte.bionoah.de gefunden. In der Zutatenliste, die ich aus Gründen des Copyrights nicht abschreibe, ist die Zutat Mutterkuchen als "menschliche Plazenta" angegeben. Die Namen der Gerichte kann ich noch verraten: "Plazenta mit Brokkoli", "Plazenta Lasagne", "Plazenta Spaghetti"

In Strange Food von Jerry Hopkins sollen noch mehr leckere Plazentarezepte stehen. Eines davon ist "Plazentapastete". Ein Hobbykoch hat es in seinem Blog aufgeschrieben: Link klicken und - falls der Dialog nicht von Interesse ist - gleich zum Rezept scrollen.

Selbst wenn frau und vielleicht auch gleich die ganze Familie den Mutterkuchen verzehrt, kann sie doch noch ein erbsengroßes Stückchen davon übriglassen. Aus Plazentagewebe lässt sich ein homöophatisches Arzeneimittel herstellen, das bei Einnahme die Regulations- und Selbstheilungskräfte des Körpers anregt. Nähere Informationen fand ich hier, auf der Seite einer Apotheke, die das Plazentagewebe in einem eigens dafür zur Verfügung gestellten Versandgefäß annimmt und damit Globuli für den Absender herstellt. Die Herstellung ist auf der verlinkten Seite ausführlich erklärt.

Manche Frauen essen vielleicht nichts vom Mutterkuchen, weil sie den am Kind belassen, bis die Nabelschnur und damit auch der Kuchen von alleine abfällt. Die Plazenta wird mit Salz, eventuell auch noch wohlriechenden Kräutern, eingerieben und in einem speziellen Tuch aufbewahrt. Sie soll immer neben dem Kind liegen. Die sogenannte Lotusgeburt ermöglicht dem Kind die Verbundenheit mit seinem Organ, bis es sich praktisch durch den natürlichen Prozess des Abtrocknens der Nabelschnur, des Eintrocknens der pränatal lebenswichtigen Blutgefäße in der Nabelschnur, davon trennt. Vergraben kann die Familie die Plazenta danach ja immernoch, aber wie ist das mit dem Verzehr?

1 Kommentar:

la berlinesa hat gesagt…

Danke für den informativen und super gut geschriebenen Artikel!