Dienstag, 10. Oktober 2017

kleine geschichte

Es war einmal ein Kind, das fragte einen Mann, an wen es sich wenden könne.
Ich bin der Richtige, sagte der Mann und fragte das Kind, was es von ihm wissen wolle.
Das Kind wollte nichts wissen. Es wollte an ein Buch, das ganz oben, unter der Decke im Regal stand. Bis da hinauf reichte das Kind selbst mit einem Stuhl nicht. Der Mann schaute hoch, auch er musste den Kopf in den Nacken legen, um bis hinauf zu sehen, und las den Titel auf dem Buchrücken.
Das Buch, meinte er, solle besser ganz oben stehen bleiben. Es sei für Kinder nicht geeignet. Morgen könne man ja mal in eine Bibliothek gehen und Kinderbücher aussuchen.
Das Kind wusste nun, dass es den Falschen angesprochen hatte.  Es wurde ausgesprochen wütend.
So gefällst du mir nicht, sagte der Mann, und das Kind dachte, dass er das sagen musste, weil die Erwachsenen, die es kannte, nun mal so waren. Je näher sie dem Kind standen, desto weniger konnten sie seine Wut dulden. Das Kind schluckte den Teil der Wut, den es noch nicht veräußert hatte, hinunter.
Am nächsten Tag konnte es nicht mitgehen in die Bibliothek mit den Büchern für Kinder. Es hatte Halsschmerzen und lag mit heißem Kopf im Bett. Der Mann brachte dann dem Kind ein schönes Buch mit, das er genau richtig für das Kind in seiner Lage hielt. Es war ein Buch über ein krankes Kind, das auch das Bett hüten musste.

Mittwoch, 31. Mai 2017

Nachbars Katze

Beim Spaziergang sieht uns die Nachtbarkatze. Tagsüber ist sie eine gewöhnliche EKH*. Nachts steht sie vor und hinter dem Tresen. Hinter dem Tresen verdient sie das Geld fürs Freigetränk. Sie zahlt eins und bekommt zwei. Das zweite trinkt sie selber und das erste spendiert sie einem Kater. Ehrgeizige Kater sind ihrerseits spendabel und lassen ein paar Mäuse springen. Sie zeigt allen einen Vogel, der besonders tief fliegt, und geht fort vom Ort mit der wilden Musik auf Mäusejagd. Kommt sie wieder, dann nur um zu zeigen, was sie im Mund mit sich führt. Kurz mischt sich das Fiepen des Opfers mit der wilden Musik, jeder tanzt, der das hört. Bei Tag springen wir über unsere Schatten, die Katze und der Kater, ich und die Nachbarin. Sie schaut aus gelben Augen, er sieht sie mit blauen. Dann trennen sich unsere Wege, ich geh mit dem Kater die Treppen rauf und sie in den Nachbargarten.
*europäisch Kurzhaar






Dienstag, 16. Mai 2017

Unvollständige Liste Demokratischer Schulen in Deutschland


Die Liste ist in Arbeit.
Bitte schreibt mir, wenn Ihr eine Demokratische Schule in Deutschland kennt, die noch in der Liste fehlt.

Auf den Seiten der EUDEC (European Democratic Education Community) findet man alle Schulen, die Mitglied der EUDEC sind unter folgendem Link: https://www.eudec.org/Member+Schools Ich habe dort 17 deutsche Schulen gezählt (Stand 17.10.2017). Die Mitgliedschaft in der EUDEC sagt nichts über die demokratischen Strukturen der jeweiligen Schule aus.

Der Bundesverband der Freien Alternativschulen e.V. (BFAS) hat ein Adressverzeichnis aller im BFAS organisierten Freien Schulen: http://www.freie-alternativschulen.de/index.php/startseite/adressen/schulen

Berlin

Demokratische Schule X

http://www.demokratische-schule-x.de/

Netzwerk-Schule

http://schule.netzwerkspielkultur.de/

Ting-Schule


Düsseldorf

Demokratische Schule Düsseldorf

in Gründung

Freiburg

Kapriole | Freie demokratische Schule

Hamburg

Neue Schule Hamburg

INFINITA

Leipzig

Freie Schule Leipzig

http://www.freie-schule-leipzig.de/die-schule/

Stuttgart

PIEKS

Samstag, 25. Februar 2017

Nachfrage beim Radio

Gastbeitrag

Nachfrage vom 25.02.2017 beim Deutschlandfunk, betreffs 

Sehr geehrte Damen und Herren,

"Israel gibt Menschenrechtler kein Visum" sagen Sie. Später  heißt es: "Die israelische Regierung wirft Human Rights Watch vor, Propaganda für die Palästinenser zu betreiben."

Nun, dieser Vorwurf ist zutreffend! Hätten Sie das nicht recherchieren können? Immerhin zahlt jeder Haushalt hier eine Menge Geld "pauschal" jeden Monat, damit Sie seriösen Journalismus machen. Ihr Bericht kommt stattdessen selbst wie antiisraelische Propaganda rüber: 
Das Opfer bzw. der Gute ist von vornherein der Vertreter der "Menschenrechtsorganisation". Der Böse ist der "Jude unter den Staaten": Israel.

Der Gute, der HRW-Regionaldirektor, der als "Menschenrechtler" per se natürlich superglaubwürdig ist, sagt, "mit der Ablehnung stelle sich Israel in eine Reihe mit repressiven Staaten wie Nordkorea, Iran oder Sudan."
Ja, sowas sagt der Mann also. Und? Was sagt der DLF? Nichts mehr, er beendet seinen Beitrag damit. 

Wo bleibt da die professionelle Distanz und journalistische Ausgewogenheit? Die Argumente beider Seiten gründlich prüfen und so? Warum fangen Sie nicht spätestens bei solchen Worten an, stutzig zu werden: Kann man einen Mann, der sowas sagt, überhaupt ernst nehmen? Vielleicht, wenn er inzwischen die Zeit genutzt hat, sich von dieser Aussage zu distanzieren, sie mit der spontanen Erregung zu rechtfertigen...(Auch dann bliebe noch fragwürdig, wie es da aus ihm sprach...)
Liegen Ihnen dazu aktuelle Erkenntnisse vor?

Mit freundlichen Grüßen,
F. L. 

* * *

Antwort des Deutschlandfunks vom 9.3.2017:

Sehr geehrter Herr Lebowski,

über den Hörerservice hat mich Ihre Kritik an unserer Meldung vom 24.2. erreicht. Unter dem Titel „Israel gibt Menschenrechtler kein Visum“ haben wir über die Entscheidung der israelischen Behörden berichtet, einem leitenden Mitarbeiter der Organisation „Human Rights Watch“ kein Arbeitsvisum zu erteilen.

Ihren Vorwurf der nicht ausgewogenen Berichterstattung nehmen wir sehr ernst. Deshalb sind wir Ihnen für Ihre E-Mail dankbar. Im vorliegenden Fall kann ich allerdings keine Unausgewogenheit erkennen. Ausgangspunkt der Meldung ist ein von beiden Seiten nicht bestrittener, faktischer Vorgang: Die Verweigerung des Visums.

Die Meldung stellt dann die Argumente beider Seiten gegenüber: Israel wirft HRW vor, Propaganda zu betreiben. HRW wirft Israel vor, sich repressiv zu verhalten. Zu beiden Vorwürfen gäbe es noch viel zu sagen, aber beim besten Willen nicht in einer nachrichtlichen Meldung von zehn Zeilen Länge.

Dass in dieser Geschichte „Gute“ gegen „Böse“ stehe, wie Sie schreiben, kann ich aus unserer Nachrichtenmeldung nicht herauslesen. Diese Deutung legt der Text jedenfalls nicht nahe.

Haben Sie dennoch Dank für Ihre Anmerkungen und Ihr aufmerksames Hören.

Mit freundlichen Grüßen aus der Redaktion
Rita Vock
Deutschlandfunk
Zentrale Nachrichten

* * *

Meine Antwort auf die Antwort, ebenfalls vom 9.3.2017:

Sehr geehrte Frau Vock,

könnten Sie mir bitte den Wortlaut der Sendung schicken? Leider lässt sich die Nachricht über den Link nicht mehr aufrufen.
Dann könnte ich versuchen, deutlicher zu machen, was ich an dem Aufbau der Nachricht problematisch finde.
Es hat u.a. mit dem Aufbau zu tun: Wer ist handelndes Subjekt? Wie wird eingeführt ins Thema? Wie und womit klingt es aus?
Und: Konnte der DLF inzwischen erfahren, wie der HRW-Redionaldirektor inzwischen über seine Äußerungen denkt?
Und: Würden Sie ihn weiterhin als Menschenrechtler bezeichnen, also ohne Anführungsstriche?


Mit freundlichen Grüßen

* * *

Daraufhin kam leider bis heute leider keine Antwort mehr.

Donnerstag, 1. September 2016

Eine Geschichte für ein Kind (1999)

[Die Pinguine begegnen uns überall. Darum ist es nicht falsch oder gar fantastisch, wenn ich meinem Kind von ihnen erzähle. Sie hocken im Süden auf ihren Eisschollen und sticken auf Socken und Mützen ein Ebenbild von sich.
Und dann werde ich gefragt: "Is 'n das???]

Die Pinguine wohnen ganz weit am Meer. Da ist ganz viel Wasser und lauter Schnee. Weißer Schnee. Die Pinguine kennen nur Schnee. Ganz kalten Schnee. Wenn die Pinguine frieren, dann kuscheln sie sich dicht aneinander. Die großen Pinguine nehmen die kleinen Pinguine unter ihre Federn und wärmen sie. Das machen sie auch bei großem Sturm. Schneesturm. "Schuhfuh!" Morgen scheint wieder die Sonne. Dann baden die Pinguine. Sie springen aus dem Schnee direkt ins Meer. Sie schwimmen auf dem Rücken. Oder auf dem Bauch. Dann kitzelt sie ein Fisch - die Pinguine lachen. Sie mögen die Fische. Ganz oft stecken sie ihre Köpfe in das Wasser und sagen den Fischen "Guten Tag!" Die Fische kitzeln und die Pinguine sagen "Guten Tag!" Dann sind die Pinguine müde vom Baden und verkriechen sich wieder beieinander im Schnee. Sie haben wirklich noch nie einen Baum gesehen!

Freitag, 20. Mai 2016

Nicht süß


In der Schweiz soll es Berge geben, von denen aus man das Meer sehen kann. und riechen und sogar schmecken. Bei einer Sturmflut können die Menschen auf solch einem Berg sich zurückziehen in eine Berghütte. Das Wasser ficht sie nicht. Und doch weiß der eine oder die andere von Gischttropfen zu sagen, von Wasser, das von unten herauf gespritzt sei, und es wäre versalzen gewesen.

geschwommen, gekullert, gespielt
Wo ich wohne, gibt es einen See, zu dem ich einen halben Berg hinaufsteigen muss. Aber die Vögel, die müssen hinab durch ein Loch im Wald. Gegen Morgen finden auch Graureiher und Kraniche hinein und beim Hinausfliegen drehen sie Runde um Runde, bis ein Wind unter ihren Körper schlüpft und sie über den Rand zieht hinüber zum tiefen Land.
geträumt
Aus der Büchse der Pandora entwich zuletzt die Hoffnung, hörte ich erzählen. Ebenso wie ich hörte, sie sei auf dem Boden des Gefäßes zurückgeblieben, der Deckel war schon wieder zu. Ich kann mir aussuchen, wie ich die Geschichte enden lassen will.

Bei meiner Oma sitzt bei Tag eine Puppe in Schwarzwälder Tracht auf der Mitte des Bettes und auf einem Möbel, halb Tisch und halb Schränkchen, im selben Raum steht eine Zuckerdose. Auf weißer Klöppelspitze. Mit der Puppe darf ich nicht spielen und in der Zuckerdose mögen Süßigkeiten sein. Ich weiß, wie das riecht, wenn sich die Dose öffnet. Der Deckel sitzt ziemlich fest, doch es braucht weniger Kraft als Geschick, ihn zu lüften. Es braucht eine größere Hand als meine. Ich weiß, wie es duften wird. Niemals öffnet meine Oma die Zuckerdose. Meine Hand wächst noch, aber sollte ich dann?
Ich kenne meine Oma nicht wirklich, werden die Leute sagen. Wenn ich Oma nach der Puppe frage, lenkt sie mich ab mit einem Lied. Das hat eine einfache Melodie, die pendelt nur zwischen zwei Tönen. Auf die Dose zeige ich nicht und wir reden auch nicht darüber. Es ist fast, als gäbe es die Zuckerdose gar nicht. Aber ihre Gestalt ist unverkennbar und ihr Zweck damit auch.
Kann sich jemand vorstellen, wie Dinge größer werden, über die kein Wort verloren werden darf, auf die sich kein Finger richten soll.
Nicht süß, denkt es in mir, nicht süß.

Sonntag, 10. April 2016

Gefunden



Sie sind einander bereits bekannt oder erkennen sich das erste Mal im Leben in dieser Saison. Sie treffen sich zum Eis oder zu Eicheln, zum Schwimmen oder zum gemeinsamen Schreiten. Paare in meiner Nachbarschaft.