Freitag, 26. März 2010

Todesanzeige


Selbst noch nicht ganz im Frühling angekommen verabschieden wir uns von Karpfen und Hecht, die diesen Winter verschieden sind. Der Karpfen tut uns leid. Er war der Größte.

Dienstag, 2. März 2010

Ich will heute nicht in die Schule und morgen auch nicht

Ich will heute nicht in die Schule und morgen auch nicht.

Aber das geht mal; Soll das dann immer so weitergehen? 

Ich will heute einfach nicht und morgen will ich auch noch zu Hause bleiben.

Was willst du denn dann machen?

Einen Steg bauen.

Aber du kannst doch nicht immer nur einen Steg bauen. Du musst doch auch wieder in die Schule gehen!

Übermorgen gehe ich doch schon dahin.

Aber woher willst du denn wissen, dass du nicht morgen schon wieder gehst?

Ich weiß, dass ich morgen nicht will.

Geht es denn danach, was du willst? Schickt deine Mama dich nicht?

Ich darf machen, was ich will.

Wer hat denn bei euch die Hosen an?

Das Gerede ginge noch ungefähr so weiter, wäre nicht diese entscheidende Frage gestellt worden.

Das Mädchen sagte, es trüge viel lieber Kleider und wüsste gar nicht, ob im Kleiderschrank der Mutter überhaupt ein einziger Rock zu finden sei. Ach, doch, einmal könne es seine Mutter auch im Kleid erinnern, im Sommer an einem sehr heißen Tag am See. Also muss es zumindest dieses eine Kleid geben, wenn ... Die Fragende hatte Mühe, das Mädchen zu unterbrechen und das Missverständnis aufzuklären.

Donnerstag, 18. Februar 2010

Die Frau vom Pfau

Das ist die Frau vom Pfau. Sie lebt so ziemlich frei. Beim Menschen, aber ohne Gitter oder Zaun. Eine kleine Attraktion in der Waldschule, die wirklich mitten im Wald steht. Wenn im Frühsommer die Jungen großgezogen werden und ihr der Trubel von Besuchern zu viel wird, dann zieht die Frau vom Pfau mit ihrer Nachkommenschaft auch schon mal aus der Waldschule aus. Die Familie zuckelt dann durch das Eingangstor, wo sonst nur Menschen ein und aus gehen und eine eingesperrte Nebelkrähe auf Französisch Aufwiedersehen sagt.
Pfauen schlafen nachts auf Bäumen. Die Pfauen aus der Waldschule lernen von klein auf, wie das geht. Auf Zäune und Äste klettern bzw. flattern und fliegen zu können, ist überlebenswichtig. Ausreichend hoch muss der Schlafplatz sein, damit des Nachts im Dunkeln nicht Fuchs und Marder kommen und einem die Kehle durchbeißen können.
In Gefangenschaft aufgewachsene Pfauen wissen nicht viel vom Fuchs. Selbst wenn sie lesen gelernt hätten - möglicherweise würden sie annehmen, der Fuchs sei ein Gedicht, das sich auf Luchs reimt, und Luchse gibt es ja längst nicht mehr überall, also braucht man sich auch nicht vor ihnen fürchten. Das ist natürlich Quatsch.
Aber im Ernst lernen gefangen lebende Pfauen längst nicht alles, was nötig ist, um später etwa im Garten eines Schlosses vor den natürlichen Gefahren gefeit zu sein. Sie können nicht besonders gut klettern, sie wählen ihren Schlafplatz weniger achtsam aus, weil sie nicht an den Fuchs denken. So überleben Pfauen, die als Küken in Gefangenschaft geboren wurden und, kaum erwachsen geworden, in Schlossgärten ziehen, wo standortbedingt auch Fuchs und Marder langstreifen, nicht lange, wenn sie Pech haben. Die in die Freiheit geborenen Pfauenküken sind, ersteinmal erwachsen geworden, überlebensfähiger, auch in einem barocken Schlossgarten.

Mittwoch, 17. Februar 2010

Kampagne für freie Bildung


Für Bildung in Freiheit, Achtsamkeit und Würde.

Wider den Schulzwang.



Donnerstag, 28. Januar 2010

Deschooling Notizen 003

Mein ältestes Kind ist mit elf Jahren in der Ostsee die ersten Male frei (ohne Schwimmhilfe) geschwommen. Vielleicht hätte ich nie von so vielen “Spätschwimmern” erfahren, wenn nicht dieses Kind gewesen wäre. Plötzlich hörte ich von verschiedenen Eltern und Großeltern Geschichten über ähnliche Schwimmlernerfahrungen mit Kindern. Der zeitliche Rahmen, in dem von einem Kind erwartet wird, dass es Schwimmen ohne Hilfen gelernt hat, ist meinem Gefühl nach so bis sieben gesteckt, oder irre ich da? Ich hatte früher den Eindruck. Es ist für mich eine schöne Erfahrung zu sehen, dass ein Kind (nicht nur mein eigenes und nicht nur das Schwimmen betreffend) Dinge lernt jenseits des zeitlichen Erwartungsrahmens, Dinge, über die bereits Glaubenssätze existieren, dass ein Kind sie nie mehr lernen würde, wenn es sie bis zu einem bestimmten Alter nicht gelernt hätte.
Auch als Erwachsene lerne ich solche Sachen, die ich angeblich als kleines Hänschen hätte lernen müssen, um sie jemals zu können. Das ist ein wahnsinnig gutes Gefühl hinterher. Angefangen hat es damit, dass ich mir überhaupt zugetraut habe, etwas zu lernen, was ich unbedingt lernen wollte, was mir aber lange unerreichbar schien, wenn ich mein Alter in Betracht zog und dann auch noch den Vergleich zu anderen.

Montag, 18. Januar 2010

Deschooling Notizen 002

Was fühlst du, wenn du an einer dieser Anstalten vorbeigehst, in denen die jungen Menschen Schüler genannt werden und Schülerinnen? Was denkst du dir, wenn du die Taschen auf den Rücken der Kinder als Schulranzen wiedererkennst? In welchem Kontinuum lebst du? In welchem willst du leben?

Dienstag, 24. November 2009

Zwiespalt

***
Du hattest den Kopf einer Kuh, erinnerst du dich? Mit Eselsohren, so lang, keiner würde die übersehen. Du hocktest traurig auf der nackten Erde. Nackter noch warst du in deiner Haut. Der Kopf war keine Verkleidung. Er saß fest auf deinem Hals. Das wenige Fell, das dich bedeckte, war das in deinem Gesicht. Wie gern hätte ich dich erlöst, und du hättest dich als eines Königs Sohn entpuppt. Oder als der Sohn eines Gottes, der nur des Nachts eine vollkommen menschliche Gestalt annimmt, seiner Liebsten zu Liebe. Die Liebste ist kaum göttlicher als ich. Sie würde dir abwechselnd zu Füßen liegen oder dein Fellgesicht lecken. So wollte sie alle Tage zubringen und nachts bei dir liegen, bei dir in deiner perfekten Gestalt. Aber, Liebster, wir wissen, dass du nicht gottgleich bist und keines Königs Sohn. Von den Füßen bis zum Hals bist du schön anzusehen für mich. Doch solltest du dich der Schicklichkeit halber bedecken. Dein Kopf ist der eines Rindes mit langen Ohren. Sie verraten deine Gefühle. Sie erinnern mich, dass der Hohn der Leute über mich kommen wird, wenn ich bei dir bleibe.
Erinnerst du dich?
Ich sollte mich entscheiden. Das Wohlwollen der Leute wie ihre Gleichgültigkeit oder ihr Hohn und du.
Zum Glück hast du mich aus meinem Alptraum zurückgeholt. Du wusstest, was ich träume, denn du hattest den gleichen Traum. Es hatte ausgesehen, als wollten gleich die Tränen aus deinen Kuhaugen rollen. Aber du wecktest mich. Dich hatte der Weckton des Funkweckers aus den Träumen gerissen. Wir konnten aufstehen wie immer, uns ankleiden für den Tag und unseren gewohnten Dingen nachgehen. War das nicht ein Glück?

Für die Überschrift und wichtige Anregungen danke ich Lisa.
Das Bild Titania erwacht von Johann Heinrich Füssli hat mich zu diesem Text inspiriert. Der Text hat indes nichts damit zu tun, was der Maler auf seinem Bild darstellen wollte.