Freitag, 4. April 2014

Von fremden Ländern und Menschen

Musik: R. Schumann, Text: die Wahrheit

Ich war in Australien
ich war in Australien
In Austral_i_en
war ich
heut

In Au_stra_lien
war ich heute
Kän_gu_ru_hu_hus
zu sehn.

Freitag, 15. November 2013

Vogelbad


Vogelbad Abb. 13.1


Vogelbad Abb. 13.2

Bildnachweis: Sumpffuß (2013) Naturtagebuch S.131

Samstag, 9. November 2013

Vorurteile über Spatzen

Thementee: Haussperling. Vorurteile abbauen.

Der Goldrand ist ein Hingucker.

Obwohl die Hausbaurate gefühlt gleichbleibend hoch ist, geht die Populationsdichte des Haussperlings in vielen Siedlungsgebieten zurück. "In vielen Städten nehmen Haussperlinge neuerdings dramatisch ab." (Bezzel, S.492) Das ist schade, weil damit Projektionsfläche verloren geht.


Der graue Spatz, der laute Spatz, der schimpfende Spatz, auf den man mit Kanonen nicht schießen soll. Der Wenigesser! Rosinenfresser? Sein Gehirn ist nicht größer als er selbst, nicht größer sogar als das Innere seines Spatzenschädels! Noch dazu soll er geschwätzig sein, obwohl er gar nicht viel sagen kann, der Dreckspatz.

Der Haussperling war mein erster Vogel
und wenn ich gefragt wurde, als welches Tier ich wiedergeboren werden wollte, dann sagte ich, als Vogel, und fügte schnell hinzu, aber nicht als Spatz.

Ich wusste nicht, dass es Ornithologen sind, die sich mit Spatzen beschäftigen, ich dachte, es müssten Pädagogen sein. Vogelkundler interessieren sich nur für "richtige Vögel". Pädagogen nehmen sich, da sie den Spatz nicht zähmen können, der Kinder an und halten ihnen einen Spatz als schlechtes Vorbild vor Augen.


So wollte ich nicht werden, so wie der Spatz. So ungeputzt, so grau, dass man ihn im Straßendreck übersieht, so leichtsinnig mit einem so liederlichen Nest, so vorlaut und so ... so, so unauffällig.

Das auffälligste Merkmal eines Spatzes ist seine Unauffälligkeit.
Könnte man meinen.
Vor hochwertigem Geschirr aus Porzellan ist der Hausspatz gut zu sehen, aber in seinem natürlichen Lebensraum zwischen Geländern, vor Häuserfassaden, unter Stehimbisstischen oder neben Bordsteinkanten verschwindet er geradezu. Trotzdem kommt er im Foto-Kalender über gut getarnte Tiere nicht vor. Was nicht ausdrücklich gegen seine Unauffälligkeit spricht, ganz deutlich aber für seine Bedeutungslosigkeit.


B e d e u t u n g s l o s i g k e i t, das ist ein wunder Punkt.
So ergattert der Spatz unversehens wichtige Nebenrollen in Geschichten. Beispiel hierfür ist das mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnete Bilderbuch Leberecht am schiefen Fenster. Dem Erzähler Peter Hacks gefällt die Geschichte selber nicht. Als Sperling flattert der Spatz in den Streit um eine Taschenuhr. Für kurze Zeit, solange wie ein Schlagabtausch zwischen einem Spatz und einer Katze dauert, hält er das Streitobjekt im Schnabel.  Mit weißbestrumpften Beinen und einer Maske im Gesicht ist er aufwendig kostümiert, die Füße sogar in schwarzen Schuhen mit Absatz. Die Illustration macht sichtbar, wie wir ständig unverhohlen unsere menschlichen Unzulänglichkeiten auf ein unschuldiges Tier übertragen. Wir überlassen dem Spatz, der immer das letzte Wort haben will, das letzte Wort, und wenden uns, solchem überlegen, Wichtigerem zu.

"Singt überall"
Cover der ersten Single
datiert auf Ende 1970, frühe 80er
"Kackt auf meine Heimatkunde ..." (G. Saalmann, Der Stundenvogel in Hilzheimer, S.21)
Verschwiegen haben sie uns, dass er ein Singvogel ist. In Heimatkunde, 45 min lang, wenigstens zweimal die Woche. Dabei hätte der Spatz auch fürs Singen als schlechtes Vorbild standherhalten können - und tut er ja irgendwie schon auch. Nur dass es nicht heißt, "Du singst ja wie ein Spatz." Es heißt, der Haussperling schilpe, beherrsche aber auch ein weiches "wäd", ein lautes "tetete" und reine "dü dü dü"s (vgl. Bezzel, S.492).

Jeder Ton zählt, denkt man sich nun,

was die Spatzen aber eigentlich zu der Gruppe der Eigentlichen Singvögel zählen lässt, ist ein anatomisches Merkmal, nämlich die Anzahl und der Ansatz der Muskeln des Stimmapparates. (vgl. Austin, S.9)

Wenn man ganz nah ran geht, sind die Spatzen mit bloßem Auge im Gesträuch zu erkennen.
Ich finde an Spatzen bemerkenswert, wie sie ein Gestrüpp oder Geäst zum Reden bringen können. Ihre Verlautbarungen, die dem Spatz als Geschwätzigkeit angelastet werden, und ihre Unauffälligkeit ergänzen sich hierbei in hervorragender Weise. Auf blattlosen Zweigen verblasst vor tristem Himmel selbst ein ganzer Schwarm, mit den Augen finde ich nicht die Quelle des Geräuschs, und dann scheint es, als lärme der Strauch, das Gestrüpp, wie auch immer.

Ganz anders der Feldsperling
Gegen Ende der Teezeit, als die Tauben die Spatzen bereits verdrängt haben, merke ich, dass noch alle Vorurteile da sind. Die Spatzen mochten nicht meinen Grünen Tee, haben nur von dem Müsli genommen und sich gezankt, haben sich danach in den Dreck gesetzt oder sind andernorts mit ihrem städtischen Hintergrund verschmolzen bis zur Unsichtbarkeit.

Quellen:

Peter Hacks, G. Ruth Mossner (1983) Leberecht am schiefen Fenster. Kinderbuchverlag Berlin; Neuauflage 1994, Middelhauve München
Hannelore Hilzheimer (Gedichtauswahl), Jutta Mirtschin (Bilder) (1983) Kinderbuchverlag Berlin


Oliver L. Austin (englisch 1961, dt. Nachfassung 1971) Knaurs Singvögel der Welt. München/Zürich
Einhard Bezzel (2006) BLV Handbuch Vögel. München
Adolf Portmann (1984) Vom Wunder des Vogellebens. München


Sonntag, 27. Oktober 2013

Das Fenster

Es war einmal ein Kind.
Es gibt einen Ort, an dem sind die Bilder aus nunmehr 67 Jahren. 67 Jahre wechselten sich Winter und Frühling, Frühling und Sommer, Sommer und Herbst, Herbst und Winter ab.
Es war einmal ein Kind, das ging in einen fensterlosen Raum. Der Raum hatte Wände und Fußboden und Decke mit elektrisch Licht. In der Mitte standen Farbtöpfe auf einem langen, schmalen Tisch und es lagen Pinsel, viele Pinsel, deren Spitzen schon Farbe hatten, ein jeder Pinsel die Farbe des Farbtopfes, in dessen Nähe er lag. Die Wände des Raumes waren mit Papier bespannt und das Papier war bunt von allen Farben. Das Kind fand in dem Raum einen freundlichen Mann, von dem ließ es sich ein leeres Blatt an die Wand heften, währendessen suchte es sich eine Farbe aus. Die Pinsel waren alle recht groß und wie die Spitze des Fuchsschwanzes geformt. Sie verrieten, zu welcher Farbe sie gehörten, es war nicht nötig, sie auszuwaschen.
Es gibt einen Mann, der hütet einen Ort, an dem er seit nunmehr 67 Jahren Bilder sammelt. 67 Jahre, ich habe mir das ausgerechnet von der Jahreszahl 1946 an.
Es war einmal ein Kind in einem Raum ohne Fenster, das durch ein Fenster sah, welches in ihm offenstand, hinaus zu sehen. Das Kind malte, was vor dem Fenster auftauchte. Es malte, worin es eintauchte, worin es schwamm oder flog. Dabei flogen die Farben von den Pinseln, mit denen das Kind malte, auch über das Blatt hinaus auf die bunten Wände.
Es gibt einen Raum, an dessen Wänden wechseln sich die Farben ab und die Kinder, seit Jahren ist das schon so, und ein freundlicher Mann hält diesen Raum offen und die Farben in den Farbtöpfen feucht und legt immer genug Pinsel bereit.
Es war einmal ein Kind, das ließ ein Bild zurück an der Wand, an der es gemalt worden war. Eine bunte Wand, an der viele Farben von unzähligen gemalten Bildern zeugten. Ein Mann, der zum Raum gehörte wie die Farben und Pinsel auch, der nahm das Bild von der Wand. Das Kind war schon aus dem Raum hinaus, er hatte versprochen, das Bild für es zu bewahren. Da kam das Kind noch einmal in den Eingang zum Raum und verabschiedete sich von dem Mann.
Es gibt Bilder, unendlich viele. Manche von ihnen werden gemalt, das sind sehr viele. Bilder haben Kraft. Es gibt Bilder, die werden gemalt und geben ihrer Malerin vielmal soviel Kraft, als wären sie nicht gemalt worden. Es gibt andere Bilder, die lassen den Maler zurück mit einer Kraft, die anders als durchs Gemaltwerden schwerlich frei geworden wäre.
Es war einmal ein Kind, das kam aus einem fensterlosen Raum, und es würde sich bald wieder in jenen Raum begeben und aus dem Fenster schauen.

Quellen der Inspiration:

Der Film Alphabet (2013) Regie Erwin Wagenhofer

Der Malort von Arno Stern.

Der Malort Mitte in Berlin Mitte.

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Labyrinth

Kretisches Labyrinth (der Weg)
Den Weg des Kretischen Labyrinths zu beschreiben. Ein Tanz, ein Reigen, ein schneller, verwirrender Lauf. Verwirrend, weil er nicht ohne Aufenthalt zum Ziel führt. Der Weg selbst hält den Läufer auf, fängt ihn ein in Kreisen und Schleifen und geleitet ihn doch sicher und ohne Irrweg. Der Reigen nähert sich der Mitte und entfernt sich wieder. Die Tanzenden, mal sind sie innen, mal außen. Faszinierend ist es, den Stift zu führen und mit dem Finger das Gemalte nachzufahren. Beim Laubharken glaube ich, mehr und mehr zu verstehen, und bin am Ende doch wieder am Anfang und frage mich, wie das gehen kann. Sooft ich den Weg gehe, ist es so.

Kretisches Labyrinth in Laub um einen Baum

Vorstadtgefühle

Eine Buchempfehlung für Geschichten aus der Vorstadt des Universums.

Wer sich die hohen Mieten im Zentrum nicht leisten kann und auch kein Geld hat, außerhalb zu wohnen, der landet in dem Gürtel aus Häusern und Behausungen, der sich an die äußersten Stadtteile lagert. Weder Land noch Stadt, nicht Fisch und nicht Fleisch.

Ich wünsche mir, ein Vogel zu sein, und ich werde als Pinguin wiedergeboren.So ungefähr muss es sich anfühlen, in der Vorstadt aufzuwachsen.

Das Buch kommt mit harmlosen Geschichtchen eines Menschen daher, der in seinem Vorstadtalltag nicht viel zu sehen bekommen hat. Deshalb blühen die Geschichten und die Bilder dazu vor Fantasie. Wie sich der Kopf in einer Wüste aus Sand oder Wasser Land und Landschaften vorspiegeln kann, so flüchtet er sich angesichts der Tristesse der Vorstadt in Scheinwelten oder ins Paranormale. Den Vorstadtgeschichten aber, werde ich mit dieser Erklärung nicht gerecht. Hier flüchtet niemand, hier baut sich niemand ein Märchenland und will von der Außenwelt nichts wissen. In den Vorstadtgeschichten existiert die Vorstadt immer noch und bildet kargen Boden für die Pflanze Mensch, die mit ihren Wurzeln weitere Nahrungsquellen sucht. Die Vorstellungskraft wird eine wichtige Quelle und Mensch entwickelt sich so zu jemandem, der ganz offen ist, für die Welt da draußen. Seine Ideen haben Kraft.

Denken, was ein Wasserbüffel denkt. Aus der Perspektive des Austauschschülers sehen. Sich den Fragen stellen, die ein geisterhafter Stockmensch mit einem Erdklumpen als Kopf an uns hat.

Der Buchtitel wird wahr und nachvollziehbar: die Häuser und Straßen der Kindheit und Jugend sind nicht Teil irgendeiner gewöhnlichen Stadt, welche dann auch nur begrenzt und eng ist, sondern Vorstadt des Universums. Unendlichkeit, Unbekanntes, Entferntes, Unentdecktes, Großzügigkeit und Weite, Alleins.

Die Geschichten inspirieren und bald stoße ich auf das Universum in mir. Zehn, neun, acht, sieben ...

299.792

Shaun Tan (2008) Geschichten aus der Vorstadt des Universums. Hamburg



Donnerstag, 26. September 2013